28. April 2021

Von einer löchrigen Scheibe zu Netflix & Chill: Die Geschichte des Fernsehens

219 Minuten pro Tag verbringen wir durchschnittlich damit fernzusehen -  aber hast du dich schon mal gefragt, wer das Fernsehen eigentlich erfunden hat und wie es zum Massenmedium wurde? Wir haben uns das mal genauer angesehen. 

People holding retro television next to each other

Der Ursprung des Fernsehens

Alles begann vor fast 140 Jahren, als der deutsche Techniker Paul Nipkow eine rotierende gelochte Scheibe erfand, die Bilder zerlegen und wieder zusammenfügen konnte. 15 JAhre danach gelang mit der sogenannten Braunschen Röhre mehrere aufeinander folgende Bildpunkte auf eine mit Leuchtstoff beschichtete Glasscheibe zu projizieren. Das dabei entstehende Schwarz-Weiß-Bild war erst vier mal vier cm groß und dennoch wurde der technische Grundstein für ein Gerät, das in fast jedem Haushalt mindestens ein Mal zu finden ist, gelegt. Auf der Berliner Funkausstellung 1931 war es dann so weit: Der Hamburger Manfred von Ardenne präsentierte das erste elektronische Fernsehgerät.

Aller Anfang ist schwer

Kaum erfunden, stand das neue Gerät schon vor einem Problem: Das Publikum hat gefehlt. Diese Tatsache kann man sich heute mit 5,3 Millionen österreichischen ZuschauerInnen pro Tag nur schwer vorstellen. Das magere Publikum lag nicht am Desinteresse, sondern einfach daran, dass sich die meisten kein Fernsehgerät leisten konnten. Man fand sich in sogenannten “Fernsehstuben” zusammen und sah die wenigen Programme, die damals zur Verfügung standen.

Der 1. August 1955 gilt als Startschuss des österreichischen Fernsehens - in diesem Monat wurde insgesamt 12 Stunden lang Programm ausgestrahlt. Die Wiedereröffnung der Wiener Staatsoper drei Monate später war die erste österreichische Live-Übertragung. Die Übertragungen der Krönung von Queen Elisabeth II. im Jahr 1953 und der Fußball-Weltmeisterschaft ein Jahr danach zählen zu weiteren Meilensteinen. Eine große Veranstaltung in Echtzeit zu übertragen, war jedoch extrem aufwändig zu produzieren. 

Schritt für Schritt zog das Fernsehen in die Wohnzimmer der Bevölkerung ein und das änderte auch ihre Lebensweise: Die Wirtshäuser und Kinos wurden tendenziell leerer und die Menschen verbrachten plötzlich viel mehr Zeit zuhause, obwohl es zu dieser Zeit nur ein Programm gab. Und das war vergleichsweise eintönig: Das Fernsehen galt als Bildungsmedium und sollte in erster Linie informieren.

Farbe kommt ins Spiel

In den 1960ern wurde das Fernsehen immer beliebter und entwickelte sich schnell weiter. Der ORF kündigte ein zweites Programm an, das in der Woche an drei Tagen ausgestrahlt wurde und seit 1970 täglich sendet. 1967 bestand das österreichische Publikum bereits aus einer Million ZuseherInnen, die das Programm erstmals auch in Farbe sehen konnten. Den absoluten Durchbruch brachte die Fußball-Weltmeisterschaft 1974, da sich viele zu diesem Anlass einen Farbfernseher anschufen. Ein Jahr später wurde das Fernsehen um eine kleine Erfindung ergänzt, die sich am liebsten in Sofaritzen versteckt, wenn man sie gerade sucht: Die Fernbedienung. Der gemütliche Fernsehabend und die bekannte Couchpotatoe war geboren. 

Mehr Sender, weniger Gerät

Immer längere Sendezeit und den Einzug der Privatsender in den 1980ern ließ das Fernsehen entstehen, das wir heute kennen. Doch nicht nur die Inhalte, sondern auch die Geräte selbst änderten sich - und das ist gar nicht so lange her! Der alten Röhrenfernseher, den einige von uns noch aus ihrer Kindheit kennen, wurde erst zu Beginn dieses Jahrhunderts vom Flachbildschirm abgelöst. Heute ist das Fernsehen in Full-HD üblich, manche Geräte schaffen sogar die vierfache Auflösung in Ultra-HD.

Von Kabel & Satellit ins Netz

Nachdem in den 1980ern Kabel- und Satellit-Fernsehen eingeführt wurde, kam es in den frühen 2000ern zu einer neuen Errungenschaft in der Welt des Fernsehens: Das Fernsehen über das Internet. Basierend auf IP-Technologie wurde es möglich, Fernsehprogramme und Filme auch über das Internet zu empfangen. Das eröffnete viele neue Türen, denn unsere heutigen Smart-TVs können viel mehr, als einfach nur Fernsehprogramm zu senden. Eine Reihe an Apps und Verbindungsmöglichkeiten mit allen anderen technischen Geräten lässt uns selbst entscheiden, was wir wann sehen wollen. 

Streaming - das Ende vom Fernsehen?

Ob im Zug auf dem Tablet, im Wartezimmer auf dem Smartphone oder zuhause auf dem Smart-TV - das heutige Fernsehen ist weder an einen Ort, noch an ein Gerät und schon gar nicht an ein vorgegebenes Programm gebunden. Streaminganbieter wie Netflix, Amazon Prime oder Disney Plus sind auf dem Vormarsch und lassen uns ohne Werbepausen genau die Filme und Serien sehen, die wir wollen. Deshalb entscheiden sich immer mehr junge Leute gegen den Kauf eines Fernsehgeräts. Ein Aus für das klassische Fernsehen bedeutet das aber noch nicht: Im vergangenen Jahr haben nicht nur mehr Menschen in Österreich ferngesehen, sondern auch länger. Live-Übertragungen von Sportevents und Reality-Shows haben in Bezug auf die Einschaltquoten weiterhin die Nase vorn. 

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