1. Oktober 2020

SEIT ES DAS INTERNET GIBT…

Früher haben wir in unserer Freizeit ferngesehen, sind ins Kino gegangen, waren auf einen Kaffee oder in der Musikschule. Die Älteren von uns sind unbesonnen durch die Straßen gezogen und „wenn die Laternen angehen“ wieder zuhause gewesen. Wie hat das Internet dieses Verhalten beeinflusst? Wissen die Kinder eigentlich noch, wie man Verstecken spielt? Hier kommt ein Artikel über die Veränderung des Freizeitverhaltens durch die Digitalisierung. VON BARBARA KERN

Was ist eigentlich Freizeit?

Die Freizeit wird allgemein als „die nicht der Erwerbstätigkeit dienende Zeit“ gesehen. Also die komplette Zeit, die wir außerhalb unserer Schul-, Studiums- und Arbeitszeit selbst gestalten können. Der Duden definiert Freizeit als „Zeit, in der jemand nicht zu arbeiten braucht, keine besonderen Ver- pflichtungen hat; für Hobbys oder Erholung frei verfügbare Zeit.“ Also jene Zeit, die neben verpflichtenden Arbeiten, die jeder von uns außerhalb der regulären Arbeitszeit zu erledigen hat, wie staubsaugen, Sport machen etc., noch übrigbleibt.

Und wie viel Zeit ist das eigentlich? Durch die Industrialisierung hat sich Wohnen und Arbeiten voneinander getrennt. Die Regelungen der Wochenarbeitszeit und des Urlaubs in Verbindung mit den Arbeitszeitge- setzen führte dazu, dass wir nur mehr 14 Prozent unserer Lebenszeit in Beruf und Ausbildung verbringen. Industrie 4.0 und Digitalisierung bedeuten nun den endgülti- gen, gesellschaftlichen Wandel. Die Möglich- keiten, die dadurch entstanden sind, haben sowohl Berufs- als auch Privatleben erreicht. Daraus folgt: Freizeit ist mehr als das halbe Leben und die Digitalisierung ihr Begleiter.

Das heißt es ist jetzt alles anders? Die Digitalisierung ist keine Revolution, sondern eine Evolution. Das Spannende daran: sie ist noch so jung, dass sie zwar langsam in allen Bereichen Einkehr gefunden hat, der Mensch aber erst lernen muss, wie  er eigentlich mit ihr umgehen soll. Es fehlen die Älteren, die ihre Erfahrungen mit uns teilen können. Die Digitalisierung macht andere, neue Zugänge und Nutzungsarten möglich, inhaltlich bleiben wir aber bei den gleichen Interessen. Fernsehen war jahrzehn- telang die beliebteste Freizeitbeschäftigung, sie hat durch Internet und Mobiltelefonie tatsächlich einen Konkurrenten bekommen. Unser Freizeitverhalten per se wird aber wenig bis gar nicht beeinflusst. Der passive Medienkonsum ist nur durch neue Medien erweitert, war aber schon immer unsere Lieblingsbeschäftigung. Die Digitalisierung ergänzt nur die Möglichkeiten. Ein/e SportlerIn bleibt immer ein/e SportlerIn, eine Leseratte immer eine Leseratte und auch eine Shoppingqueen wird immer gerne und viel einkaufen. Die Frage ist nur wie.

Und wie ist das mit Kindern?

Alle, die mit der Digitalisierung aufwachsen und sie von Anfang an mitbekommen,  machen vieles von Anfang an anders. Für die jetzige Generation der Kinder wird Virtual Reality keine Neuigkeit sein und sie werden mehr als nur ein Spiel darin sehen. Sie wird   im Alltag Einkehr finden und ähnlich einzigartig sein, wie für uns ein Smartphone – also nichts Besonderes. Aber: Studien zeigen, dass Kinder immer noch genauso gerne am  liebsten FreundInnen treffen und Draußen spielen, wie es die Generationen davor getan haben. Nur ein Zehntel der Kinder beschäftigt sich in der Freizeit am liebsten mit dem Smartphone. Klar, mehr als vor 20 Jahren,  aber da gab es ja auch noch keine Apps…

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Das ist Jung.

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