14. Januar 2021

KUNST OHNE PUBLIKUM

Ich habe mich mit Benni (Dossa) von Dossa & Locuzzed getroffen und ihn mal gefragt, wie es dem DJ Duo aus St.Pölten mit der ganzen Corona Situation geht. Natürlich mit Abstand, hat er mir erzählt, dass nicht nur das Finanzielle das ist, was den KünstlerInnen momentan fehlt.
- VON BARBARA KERN




Was waren deine Gedanken beim ersten Lockdown?

Benni (Dossa): Meine ersten Gedanken, waren, dass sich für mich
eigentlich nix verändert. Weil ich eh die meiste Zeit im Studio produzieren bin. War halt so, ok, mal keine Gigs für ein paar Wochen. Ist es wenigstens mal schön ruhig.

Wurde dann einfach alles abgesagt, oder verschoben?

Benni: Bei uns hätte die Saison erst so richtig im Mai begonnen. Darum
haben wir mal geglaubt bis dahin wird es schon wieder passen. Und
wie es dann soweit war, die Situation nicht entspannt war, da war das
plötzlich eine andere G‘schicht.

Weil?

Benni: Anfangs haben wir uns einfach nur geärgert, weil es keine
Logik gab, warum bestimmte Veranstaltungen stattfinden dürfen und
bestimmte nicht. Und vor allem wie dann allmählich alle Festivals im
Sommer ausgefallen sind war klar:
Da fehlt ein großer Teil unseres Lebens. Vor allem der künstlerische
und menschliche Aspekt ist das, was einfach fehlt. Als Künstler arbeitet
man sein ganzes Leben an Werken und uns wurde von einem Tag auf
den anderen untersagt, unsere Lebenswerke zu präsentieren. Wir
haben uns dann gedacht, wie wir trotz Auflagen auflegen könnten und
mit unserem Agenten in London dann zusammengefasst, unter
welchen Rahmenbedingungen wir spielen würden und eine Art Guide
erstellt. Und tatsächlich waren dann einige Anfragen da, aber es ist alles
wieder abgesagt worden.

Was war eure Konsequenz daraus?

Benni: Wir haben versucht präsent zu sein und uns in die sozialen
Medien reingetigert. Aber einerseits verdient man damit nix und irgendwie
bleibt die Musik auf der Strecke, wenn man sich aufs Content produzieren
konzentriert.

Wie setzt du deine Kunst jetzt um?

Benni: Im Studio bin ich eh immer.
Also beim Schaffen hat sich nix verändert. Aber mir fehlt das Feedback.
Kommentare sind nett, aber wenn wer zu einer fetten Anlage im
Club zu deiner Nummer abgeht, hast halt Gänsehaut. Wirtschaftlich hab‘
ich ein anderes Standbein, nämlich die musikalische Auftrags-Produktion,
mehr ausgebaut und mit meinem Bruder Bernhard gemeinsam
Phonic Fusion eröffnet. Also hab‘ ich mich da abgesichert. Als Künstler
fehlt es mir einfach, meine Leidenschaft auszuleben und dazu gehört
nicht nur das Produzieren, sondern auch der Austausch mit anderen, das
was normal halt im Club unter seinesgleichen passiert. Das geht echt auf die Psyche.

Hast du Ideen, wie man hier eine Lösung finden könnte?

Benni: Für mich gibt es zwei Ansätze…
Erstens, Schnelltests, damit die Leute fortgehen dürfen, aber halt
nur, wenn sie gesund sind. Zweitens, Künstler verknüpfen, vielleicht findet
sich ja gerade ein Videoproduzent, der gerne unsere Youtube-Videos
machen würde – wir könnten uns auf vor der Kamera konzentrieren und
hätten das Know How eines Experten für hinter der Kamera.

Hätte die Regierung da was beisteuern können?

Benni: Die Regierung hat keine Schuld. Sie haben nach bestem
Wissen und Gewissen gehandelt.
Was mich aber stört: es gab anfangs keinen Dialog und keine Perspektive. Es gab einfach keine Infos, wie es weitergehen könnte. Ich hätt‘ es gut
gefunden, wenn sich die Regierung gleich mit Kunstschaffenden oder
Institutionen in der Richtung zusammensetzt.

Das heißt, abgesehen von finanzieller Hilfestellung, gab es keine
Unterstützung für Künstler?


Benni: Initiativen wie Streamaustria waren so super! Da wurde
auf die Beine gestellt, dass Liveacts in der Gösserhalle spielen können und die komplette Inszenierung auf einem Twitch Stream wurde übernommen. Niemand hat was verdient. Aber zumindest hat man mal wieder das
Gefühl gehabt, auf der Bühne zu stehen und unter Leute zu kommen. Da wurde jeder Knopf und jedes Deck nach jedem DJ desinfiziert, alle haben mit Gummihandschuhen aufgelegt und Abstand gehalten - gerade staatliche
Einrichtungen wie die Staatsoper könnten doch solche Modelle anbieten,
finde ich!


Kritische Frage zum Schluss:
Ihr seid doch die Kreativen, solltet nicht ihr das, was Wirtschaft und
Politik nicht auf die Reihe kriegen, erschaffen?


Benni: Prinzipiell schon, aber wir haben viele Konzepte probiert und
wir kennen uns damit einfach nicht aus. Und je mehr du von deiner
Kunst wegkommst und je weiter du Kameramann, Schnittmensch und
Regisseur bist, desto weniger macht es noch Spaß. Die Kunst geht da
flöten. Fürs Musikmachen bleibt dann keine Zeit.

Warum sprecht ihr nicht selbst andere KünstlerInnen an?

Benni: Gut, dass du das fragst. Ich hab‘ mir gedacht, ich könnte ja direkt
hier im JUNG aufrufen, ob es vielleicht Künstler, Studenten oder
Talente gibt, die Interesse hätten, mit uns Content zu produzieren? Hauptsächlich geht es um Videos und Livestreams. Wir bieten Content, eine
Fanbase und Unterstützung von unserem Label aus England mit allem
Drumherum, aber bräuchten halt Hilfe. Wir machen den Ton und das
vor der Kamera, aber für alles hinter der Kamera würden wir wen suchen.

Links:

http://www.dossalocuzzed.com/
https://www.facebook.com/dossalocuzzed/
https://instagram.com/dossalocuzzed/
https://soundcloud.com/dossalocuzzed

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